Die Wärme, die aus dem Wald kommt - die Holzwärme Müllheim GmbH

Mit nachwachsenden Rohstoffen aus dem heimischen Wald und mit hocheffizienter Technik leistet die Fernwärme der HWM Holzwärme Müllheim GmbH einen großen Beitrag zum Klimaschutz.
 
Als würde er sich eine Handvoll riesiger Salzstangen greifen, in den Mund führen und genüsslich zerkauen, zieht der Greifarm des Häckslers gleich drei Äste aus dem Holzstapel und zermalmt sie zu Hackschnitzeln, die das Gerät anschließend in den bereitstehenden Container bläst. Gemessen an seiner Größe und Arbeitskraft zerkleinert der Diamant 2000, wie der zehn Meter lange Häcksler heißt, das Restholz, das nach der Durchforstung hier im Müllheimer Wald am Wegrand gelagert worden war, erstaunlich geräuscharm. Würde es nicht ein wenig stauben und die imposante Maschine nicht im Weg stehen, würde man die Verwandlung der mehrere Meter langen Ast- und Kronenhölzer in die kleinen Hackschnitzel kaum bemerken.
 
„Nachhaltiger als diese Form der Restholznutzung geht es nicht“, freut sich Michael Kilian, „der nachwachsende Rohstoff Holz wird aus dem Wald auf kurzen Wegen in die Heizanlagen der Holzwärme Müllheim gebracht, durch die mehr als hundert Gebäude klimaneutral beheizt werden.“ Und mit nachhaltiger Wirtschaftsweise kennt sich der für Müllheim zuständige Forstmann aus, schließlich wurde sie von der Forstwirtschaft bereits im 18. Jahrhundert entwickelt. „Als Förster entnehmen wir nur soviel Holz aus dem Wald wie nachwächst, großflächigen Kahlschlag wie in anderen Ländern gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr.“ Um genügend Nährstoffe im Wald zu belassen, wird daher auch nicht das gesamte Restholz – also der Teile des Baums, die nicht zu Möbeln oder Bauholz verarbeitet werden können – aus dem Bestand genommen. „Und damit Spechte, Insekten und andere Tiere genügend Lebensraum haben, achten wir auch darauf, dass ausreichend Totholz im Wald bleibt“, betont Michael Kilian.
 
Wenn die Container gefüllt sind, werden sie von der beauftragten Firma Redle in der Regel direkt zur Holzwärme Müllheim transportiert. Nur falls außergewöhnlich viele Hackschnitzel anfallen, lagert Redle sie auf ihrem Firmengelände zwischen. Die kurzen Transportwege sind ein wichtiger Pluspunkt für die Umweltbilanz der Holzwärme. Anders als Erdöl oder Erdgas muss der Rohstoff nicht aus Saudi-Arabien oder Russland hertransportiert werden, sondern kommt aus den heimischen Wäldern. Und vor allem: Die Verbrennung von nachwachsender Biomasse hat gegenüber fossilen Energieträgern wie Kohle und Erdöl auch den Vorteil der Kohlendioxid-Neutralität. Durch die Verfeuerung fossiler Brennstoffe nämlich werden in wenigen Jahrzehnten jene großen Mengen an Kohlendioxid (CO2) freigesetzt, die über Jahrmillionen global gebunden wurden – eine wesentliche Ursache für den weltweiten Treibhauseffekt. Eine Pflanze setzt demgegenüber bei der Verbrennung nur exakt die Menge CO2 frei, die sie zuvor in ihrem Leben gebunden hat. Würde der Baum im Wald verrotten, emittierte bei diesem Prozess exakt dieselbe Menge CO2. Die Nutzung von Holz als Energieträger ist also ein wichtiger Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz. Allein der knapp 1.600 Hektar große Stadtwald Müllheim stellt jährlich gut 2.500 Kubikmeter als Energieholz bereit – das sind 5.000 Schüttkubikmeter Hackschnitzel. Mit dieser Menge an Hackschnitzeln werden rund 370.000 Liter Heizöl ersetzt und damit etwa 1.250.000 Kilogramm CO2 eingespart. 
 
Inzwischen ist der Container bei der Holzwärme GmbH in Müllheim angekommen. Die Hackschnitzel landen zunächst im Depot, von wo aus sie automatisch über Fließbänder zum Brenner transportiert werden. Die dort erzeugte Wärme wird direkt zu den insgesamt 110 angeschlossenen Gebäude weitergeleitet. „Das Rohrleitungsnetz der Holzwärme Müllheim ist schon jetzt etwa zwölf Kilometer lang“, erläutert Martin Käfer, einer der beiden Geschäftsführer der Holzwärme Müllheim GmbH, „und wir werden noch weitere Gebiete in der Müllheimer Kernstadt anschließen. Denn die Anlage hat noch Kapazitäten für die Versorgung weiterer Wohnungen.“
 
Die HWM Holzwärme Müllheim GmbH (HWM), an der die Stadtwerke MüllheimStaufen als Mehrheitsgesellschafter mit 55 Prozent sowie die Energiedienst Holding AG, CH-Laufenburg beteiligt sind, versorgt mit ihrer 3-Megawatt-Holzhackschnitzel-Anlage 110 Gebäude in Müllheim und liefert schon jetzt rund zehn Millionen Kilowattstunden (kWh) regenerative Wärme pro Jahr an ihre Kunden. Warum es noch mehr werden? „Diese Form der Wärmeversorgung ist klimafreundlich und für die Kunden deutlich bequemer und sauberer als herkömmliche Heizungen“, sagt Käfers Kollege in der Geschäftsführung, Michael Sattler. „Vor dem Hintergrund der neuen Klimaschutz-Gesetzgebung bieten sich insbesondere in Neubaugebieten Fernwärmekonzepte an“, so Sattler, der als Technischer Leiter der Stadtwerke MüllheimStaufen auch an anderen Standorten an der regenerativen Zukunft der Wärmeversorgung arbeitet. „In wenigen Jahren wird es verboten sein, Kohle- und Ölheizungen in Betrieb zu nehmen. Wir benötigen Lösungen auf regenerativer Basis, wozu neben Wärmepumpen und Solarthermie insbesondere die nachwachsenden Rohstoffe einen wichtigen Beitrag leisten können.“
 
Die Holzwärme Müllheim GmbH jedenfalls ist diese Entwicklung bereits einen Schritt voraus. Sie ist das beste Beispiel dafür, dass die Energiewende vor Ort möglich ist. Mit der Forstverwaltung als Partner, der den Rohstoff Holz aus heimischen Wäldern nachhaltig zur Verfügung stellt, mit Arbeitsplatz schaffenden lokalen Unternehmen und nicht zuletzt mit Kundinnen und Kunden, denen der Klimaschutz am Herzen liegt.
 
Zahlen und Fakten zur Holzwärme Müllheim 
  • Wärmeerzeugung aus Hackschnitzel 10.31 Mio. kWh
  • Deckung des Jahresbedarfs mit Hackschnitzel über 91 % Tendenz steigend
  • Wärmeabsatzmenge 9.60 Mio. kWh
  • Entspricht in Einfamilienhäuser Ø 12.500 kWh / EFH  →  768 EFH
  • Kunden 110 Objekte
  • Einfamilienhäuser 59
  • Mehrfamilienhäuser 30
  • Öffentliche Gebäude 20 (+ Heliosklinik)
Wärmeabsatz nach Kundengruppe
  • Privat ca. 36 %
  • Stadt ca. 37 %
  • Landkreis ca. 13 %
  • Heliosklinik ca. 14% 
Datum: 
Dienstag, 14. Januar 2020 - 13:45