Internationaler Besuch am Kraftwerk Neumagen

Eine Gruppe von 30 Studierenden des Internationalen Master-Studiengangs Hydrologie an der Universität Freiburg war Ende Juni zu Besuch in der Region. Einen Tag zuvor hatten sie sich in der Schweiz über den Betrieb von großen Wasserkraftwerken am Rhein informiert; nun war der Besuch der Anlage am Neumagen ein wichtiger Impuls. 
 
Die jungen Leute aus Ländern Asiens, Lateinamerikas und Afrikas waren vor allem daran interessiert, Projekte der lokalen Stromversorgung kennenzulernen. Denn diese Situation werden sie nach Ende ihres Studiums in ihren Heimatländern antreffen: keine Riesenturbinen an großen Strömen, sondern der Versuch, lokal den Strombedarf einer kleinen Region oder eines Dorfes mit Hilfe von Wasserkraft zu decken. 
 
Nach einer Einführung durch den Geschäftsführer der Stadtwerke MüllheimStaufen, Jochen Fischer, teilte sich die Gruppe. Ein Teil besuchte die Turbinenanlage an der L 123, die Wasser zur Strom-produktion aus dem Neumagen bezieht; die andere Hälfte besichtigte die künstlich angelegte Fischtreppe im Fluss oberhalb des Turbinenhauses. 
 
Herbert Kaiser, der zusammen mit seinem Bruder zahlreiche kleine Wasserkraftwerke im Schwarzwald gebaut hat und betreibt, erklärte das langwierige Verfahren, um eine Genehmigung für die Nutzung von Wasserkraft zu bekommen. Kaiser kann ein Lied davon singen: Die ersten Gespräche für die Anlage am Neumagen habe er 1999 geführt, erklärte er den staunenden Studierenden; Ende 2015 wurde die Anlage dann eingeweiht. 
 
Das Einlaufwehr beim ehemaligen Gubor-Gelände liegt noch auf Münstertäler Grund, doch schon 150 Meter weiter und für den Rest der knapp 1,15 Kilometer langen Wasserleitung wurden die 1,60 Meter hohen Rohre auf Staufener Gemarkung vergraben. Und auch das Turbinenhaus steht in Staufen, bei der Etzenbach-Brücke unmittelbar an der L 123. Ab 300 Liter Wasser pro Sekunde bringt die Turbine Leistung; weitere 300 Liter mindestens müssen im Bach verbleiben; fällt der Wasserstand unter dieses Level, darf das Kraftwerk nicht betrieben werden. Höchstens 2500 Liter pro Sekunde verkraften Leitung und Turbine als „maximale Leistung“. Zwischen diesen beiden Grenzwerten arbeitet das Kraftwerk optimal. Ein Gefälle von 18,5 Meter sorgt für Schwung, um die Turbine anzutreiben. Das Unternehmen plante mit einer jährlichen Lieferung von 1,3 Millionen Kilowattstunden - das reicht, um den Strombedarf von rund 400 Haushalten zu decken. Genehmigt wurde das Kraftwerk auf 40 Jahre. 
 
Die Zahlen der erreichten Stromproduktion zeigen, wie abhängig diese Form der Stromproduktion von Wetterbedingungen und langfristigen Klimaentwicklungen ist. Wurden im ersten vollen Betriebsjahr 2016 noch 1,2 Millionen Kilowattstunden produziert, ging die Produktion in den beiden Trockenjahren danach auf 985.000 (2017) und sogar nur 727.000 kWh im vergangenen Jahr zurück. 2018 lief die Turbine von April bis November nur an wenigen Tagen. In diesem Jahr wurden dagegen bis Ende Juni bereits über 730.000 kWh Strom erzeugt – dank der sehr nassen Monate Februar, März und Mai.
 
Das Kraftwerk wurde mit Hilfe eines Darlehns der Bürger-Energiegenossenschaft Südbaden e.G. (BEGS) in Höhe von 800.000 Euro finanziert. Die Studierenden interessierten sich sehr für diese Form der Finanzierung und über die Kooperation von Kraftwerksbetreiber, BEGS, Stadtwerke und Bürger-schaft.   
Datum: 
Mittwoch, 10. Juli 2019 - 15:30